Estrich bildet die wichtige Verbindung zwischen der Rohdecke und dem finalen Bodenbelag. Als Ausgleichsschicht und Träger für Parkett, Fliesen oder Teppich entscheidet die Qualität des Estrichs maßgeblich über die Langlebigkeit und Optik des gesamten Bodens.

Was ist Estrich und warum ist er wichtig?

Estrich ist eine mineralische Ausgleichsschicht, die auf Rohdecken oder andere Untergründe aufgebracht wird. Er erfüllt verschiedene wichtige Funktionen:

  • Ausgleich von Unebenheiten der Rohdecke
  • Schaffung einer ebenen, belastbaren Fläche
  • Verbesserung der Schall- und Wärmedämmung
  • Integration von Fußbodenheizungen
  • Höhenausgleich zwischen verschiedenen Räumen

Estricharten im Überblick

Zementestrich (CT)

Der Klassiker unter den Estrichen:

  • Eigenschaften: Hohe Festigkeit, feuchtigkeitsresistent
  • Anwendung: Universell einsetzbar, besonders für Nassbereiche
  • Trocknungszeit: 28 Tage bis zur vollen Belastbarkeit
  • Mindestdicke: 40-65mm je nach Anwendung

Calciumsulfatestrich (CAF)

Auch als Anhydritestrich bekannt:

  • Eigenschaften: Sehr ebene Oberfläche, rissarm
  • Anwendung: Ideal für Fußbodenheizungen, nur Innenbereich
  • Trocknungszeit: Schneller als Zementestrich
  • Besonderheit: Nicht für Feuchträume geeignet

Magnesiaestrich (MA)

Spezialestrich für besondere Anforderungen:

  • Eigenschaften: Sehr hart, hitzebeständig, leitfähig
  • Anwendung: Industrieböden, antistatische Böden
  • Kosten: Höher als Standard-Estriche

Trockenestrich

Die schnelle Alternative:

  • Eigenschaften: Sofort begehbar, keine Trocknungszeit
  • Anwendung: Sanierungen, zeitkritische Projekte
  • Aufbau: Schüttung + Trockenestrichplatten
  • Nachteile: Begrenzte Belastbarkeit, anfällig für Feuchtigkeit

Estrichaufbau Schicht für Schicht

1. Untergrund/Rohdecke

Die Basis muss tragfähig, eben und sauber sein. Betondecken sollten mindestens 28 Tage alt sein.

2. Dampfsperre (bei schwimmendem Estrich)

PE-Folie mit mindestens 0,2mm Dicke verhindert das Aufsteigen von Feuchtigkeit aus dem Untergrund.

3. Trittschalldämmung

Dämmplatten aus Polystyrol, Polyurethan oder Mineralfaser reduzieren die Schallübertragung.

4. Randdämmstreifen

Umlaufende Dämmstreifen an allen Wänden verhindern Schallbrücken und Spannungsrisse.

5. Estrichschicht

Die eigentliche Estrichschicht mit der erforderlichen Mindestdicke.

Verlegungsarten

Verbundestrich

Direkt auf den Untergrund aufgebracht:

  • Hohe Tragfähigkeit
  • Geringe Aufbauhöhe
  • Gute Haftung erforderlich
  • Rissrisiko bei Bewegungen des Untergrunds

Estrich auf Trennschicht

Mit Trennlage zum Untergrund:

  • Schutz vor Feuchtigkeit
  • Unabhängig von Untergundbewegungen
  • Mindestdicke 40mm

Schwimmender Estrich

Auf Dämmschicht verlegt:

  • Beste Trittschalldämmung
  • Wärmedämmung möglich
  • Mindestdicke 45mm
  • Standard in Wohngebäuden

Schritt-für-Schritt Verlegung

1. Planung und Vorbereitung

  • Estrichart und -dicke festlegen
  • Materialbedarf berechnen
  • Untergrund prüfen und vorbereiten
  • Witterung berücksichtigen (keine Frostgefahr)

2. Untergrundvorbereitung

  • Oberfläche reinigen und absaugen
  • Risse und Löcher verschließen
  • Bei Verbundestrich: Haftbrücke auftragen
  • Höhenpunkte markieren

3. Dämmung und Abdichtung

  • Dampfsperre lückenlos verlegen
  • Überlappungen verkleben
  • Trittschalldämmung stoßfrei verlegen
  • Randdämmstreifen anbringen

4. Lehren setzen

  • Abziehlehren in korrekter Höhe ausrichten
  • Lehrenabstand: max. 2 Meter
  • Lehren fest fixieren
  • Höhe mehrfach kontrollieren

5. Estrich anmischen

  • Mischungsverhältnis exakt einhalten
  • Gleichmäßige Konsistenz erreichen
  • Verarbeitungszeit beachten
  • Bei Fertigmischungen: Herstellerangaben befolgen

6. Estrich einbringen und abziehen

  • Estrich gleichmäßig zwischen den Lehren verteilen
  • Mit Abziehlatte ebnen
  • Verdichtung durch Rütteln oder Stampfen
  • Oberfläche glätten

Fußbodenheizung im Estrich

Bei Fußbodenheizungen sind besondere Aspekte zu beachten:

Heizestrich-Besonderheiten

  • Rohrleitungen: Müssen vollständig von Estrich umhüllt sein
  • Mindestüberdeckung: 45mm über den Rohren
  • Bewehrung: Armierungsgewebe zur Rissminimierung
  • Dehnungsfugen: Bei großen Flächen erforderlich

Aufheizprotokoll

Kontrolliertes Aufheizen nach der Estrichtrocknung:

  • Frühestens 21 Tage nach Estrichverlegung
  • Stufenweises Erhöhen der Temperatur
  • Dokumentation aller Temperaturstufen
  • Abkühlphase vor Belagsverlegung

Trocknungszeiten und Belegreife

Faktoren der Trocknung

  • Estrichart und -dicke
  • Luftfeuchtigkeit und Temperatur
  • Luftzirkulation
  • Estrichfeuchte

Richtwerte für Belegreife

  • Zementestrich: 28 Tage (bei 20°C, 65% rel. Luftfeuchte)
  • Calciumsulfatestrich: 7-14 Tage
  • Heizestrich: Nach Aufheizprotokoll + 7 Tage

Häufige Probleme und Lösungen

Risse im Estrich

Ursachen und Vermeidung:

  • Schwindrisse: Durch zu schnelle Trocknung - Oberfläche feucht halten
  • Setzungsrisse: Unzureichende Verdichtung - sorgfältig verdichten
  • Bewegungsrisse: Fehlende Dehnungsfugen - Fugenplanung beachten

Unebene Oberfläche

Vermeidung von Unebenheiten:

  • Lehren exakt ausrichten
  • Gleichmäßiges Abziehen
  • Ausreichende Verdichtung
  • Konsistenz der Mischung kontrollieren

Hohlstellen

Entstehung und Vermeidung:

  • Unzureichende Verdichtung
  • Falsche Konsistenz
  • Lösung: Aufbohren und Injektion

Estrichprüfung und Qualitätskontrolle

Ebenheitsprüfung

  • 4-Meter-Latte: max. 4mm Abweichung
  • 1-Meter-Latte: max. 2mm Abweichung
  • Bei höheren Anforderungen: Lasernivellierung

Festigkeitsprüfung

  • Druckfestigkeit nach 28 Tagen
  • Biegezugfestigkeit
  • Bei Zweifeln: Kernbohrungen

Professionelle Estricharbeiten in Dresden

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